Meine Vorstellung von Kirchenräumen war autoritär und kühl. Der erste Kontakt mit der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg irritierte mich daher: Statt des erwarteten Habitus fand ich helle, warme Offenheit. Im Kirchenschiff hingen Schaukeln, der sakrale Raum wirkte weniger wie eine hierarchische Andachtsstätte als vielmehr wie ein sozialer Knotenpunkt.
Ursprünglich wollte ich Kirchenasyl thematisieren, verwarf dies jedoch schnell: Die mögliche Gefährdung vulnerabler Menschen widersprach meinem Anspruch. Stattdessen richtete ich den Fokus auf die sozialen Strukturen der Kirche, etwa die Wärmestube und die Essensausgabe.
Die zentrale Frage lautete: Wie gelingt eine würdevolle Darstellung der Menschen, die diesen Ort als gemeinschaftliches Zentrum nutzen, ohne ihre Autonomie zu verletzen?
Die Teilnahme an einer Gemeindeprobe war ein erster Schritt zum Vertrauensaufbau. Dennoch blieb es schwierig, Menschen zu fotografieren, die in der Wärmestube Austausch und Struktur suchen. Die nötige Zeit, um Distanz abzubauen, stand der Abgabefrist entgegen.
Meine Bilder sind ein Versuch, die Alltäglichkeit der Begegnungen und die Resilienz dieser Gemeinschaft einzufangen. Der Fokus liegt auf der Interaktion und der Funktion des Raumes als sozialem Ankerpunkt. Die Kirche wird dabei zum Rahmen einer aktiven Sozialpolitik, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft Halt finden. Die Aufnahmen markieren den Beginn einer Reportage über das Zusammenspiel von Glaube, Institution und sozialem Überleben im urbanen Raum.
Holy Cross
by Vanessa Unzalu Troya
My idea of church spaces had always been rigid and cold. Encountering the Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg overturned that expectation: instead of formality, I stepped into brightness and warmth. Swings hung in the nave, and the sacred space felt less like a site of hierarchy and more like a place where life gathered.
I first intended to explore church asylum, but quickly let go of the idea; putting vulnerable people at risk contradicted the ethics of my project. I turned instead to the church’s tangible social structures—the warming room, the shared meals, the quiet routines of support.
One question guided me throughout: How can I portray the people who rely on this place for community without diminishing their dignity or agency?
Joining a community rehearsal helped build trust, yet photographing those seeking connection and stability remained difficult. The time needed to dissolve distance was at odds with the deadline.
My images attempt to capture the quiet rhythm of these encounters and the resilience that holds this community together. The focus rests on interaction and on the space itself as a social anchor. Here, the church becomes a frame for lived social care, a place where people from many backgrounds find steadiness. These photographs mark the beginning of a reportage tracing the delicate interplay of faith, institution, and the struggle to endure in an urban world.