Ann-Christine Jansson: Gott sei Dank!

Es ist Dunkel. Plötzlich tauchen dunkle Gestalten auf. Auf dem Fahrradweg. Zu spät. Beim Bremsen falle ich samt Fahrrad neben einen Baum. Spüre wie starke Frauenarme mich hochheben, sie halten mich im festen Griff. Die Frauen fangen an, für mich zu beten – im Kreis, mitten auf dem Bürgersteig. 

Ein weißes, langes Gewand leuchtet auf, weiter weg in der Finsternis, und kommt auf uns zu. Benommen merke ich, wie die Frauen und einige Männer sich sofort auf dem Bürgersteig niederknien. Ein Pfarrer mit einer Art von glänzendem Kreuz in der Hand. Das Kreuz hält er auf die Stirn der Menschen. Ein Segen. Mit etwas schwachen Beinen taumle ich zum Fahrrad. Hole die Kamera aus meiner Kameratasche auf dem Fahrradkorb. Beginne zu fotografieren. Die Frauen führen mich zum Pfarrer. Er segnet mich auch! Stehend. Ich kann ja nicht hinunter auf die Knie. Mit einer kleinen Wunde am Knie, einem schmerzenden Daumen und dem ganzen Schreck bin ich davon gekommen. Gott sei Dank! Und hätte ich nicht diese Fotos gemacht, hätte ich geglaubt, dass ich das Ganze geträumt hätte.

Wie wird Religion benutzt? Wofür? Was bedeutet Religion für den einzelnen Menschen? In meiner Projektklasse Reportagefotografie gebe ich das Thema vor. Jede/jeder Schüler*in wählt einen Teilaspekt davon aus. Diesmal Religion und Gesellschaft.

Die Auswirkungen von Religionen sind widersprüchlich. Im Namen von Religionen werden Unterdrückung, Gewalt, Kriege und soziale Kontrolle ausgeübt. Andererseits können Religionen auch Menschen zusammenführen und ihnen einen Halt und Sinn im Leben geben. Religiöse Gemeinschaften spielen auch eine große Rolle in der sozialen Arbeit, „Einsatz für den Nächsten“. Dabei leisten sie Unterstützung u.a. bei Armut, Flucht, Obdachlosigkeit und in verschiedenen Krisensituationen.

Diese Gegensätzlichkeit sichtbar zu machen ist die Aufgabe in den fotografischen Erzählungen meiner Reportageklasse mit dem Titel „Unter demselben Himmel“.

Thank God! 

by Ann-Christine Jansson

It’s dark. Suddenly, dark figures appear on the bike path. It’s too late. Braking, I fall, bike and all, next to a tree. I feel the arms of strong women lifting me up, holding me firmly. The women begin to pray for me—in a circle, right there on the sidewalk. 

A long white robe glows, farther away in the darkness, and approaches us. Dazed, I realize the women and others immediately kneel on the sidewalk. A priest with a shiny cross in his hand. He places the cross on people’s foreheads. A blessing. With slightly unsteady legs, I stagger to my bike. I take my camera out of my camera bag in the bike basket. I start taking pictures. The women lead me to the priest. He blesses me too! Standing. I can’t get down on my knees. With a small cut on my knee and a sore thumb, I got away with just a scare. Thank God! And if I hadn’t taken these photos, I would have thought I’d dreamed the whole thing. 

How is religion used? For what purpose? What does religion mean to the individual? In my photojournalism class, I set the topic. Each student chooses a sub-aspect. This time, it’s religion and society. 

The effects of religions are contradictory. In the name of religions, oppression, violence, wars, and social control are practiced. On the other hand, religions can also unite people and give them support and meaning in life. Religious communities also play a major role in social work, “serving others.” In doing so, they provide support in cases of poverty, displacement, homelessness, and various crisis situations. 

Making this contrast visible is the task in the photographic narratives of my photojournalism class entitled “Under the Same Sky”.